Montag, 20. November 2017

Viel Spaß bei der Diskussion verschiedener Themen über das Thema LEAN.

Lean Production vs. Industrie 4.0

Lean Production vs. Industrie 4.0

Lieber Leser: ich brauche Ihre Hilfe!

Zu der Frage, wie das Verhältnis von Lean Production zu Industrie 4.0 ist, höre ich nämlich viel Widersprüchliches:

  • „Industrie 4.0 braucht Lean Production als Voraussetzung. Denn erst, wenn die Prozesse standardisiert und stabil sind, haben Automation und Vernetzung einen Sinn.“
  • „Industrie 4.0 macht Lean Production erst möglich. Denn erst die Vielzahl von Prozessdaten und deren hohe Qualität machen die Produktion transparent und die systematische und kontinuierliche Verbesserung der Produktion möglich.“
„Industrie 4.0 und Lean Production schließen sich aus. Und zwar deshalb, weil die Systeme durch eine kleine Gruppe von Spezialisten konfiguriert werden und der Werker ist nicht eingeladen ist, hieran mitzuwirken.“

Mich verwirrt das. Sie auch?

Schauen wir uns einmal einige konkrete Dinge an.

Big Data und Digitaler Schatten:

Industrie 4.0 bedeutet in diesem Fall, aus der Fülle der Daten mit leistungsstarken Auswertetools Muster zu erkennen - Muster für gute und für schlechte Produktionsbedingungen. Sowohl das Phänomen, z.B. stark schwankende Prozesszeiten, als auch deren Ursachen, z.B. eine bestimmte Kombination aus Verschleisszustand des Werkzeugs und die Luftfeuchtigkeit an der Maschine wären bekannt. Das ist gut und hat Konsequenzen.

Denn weder brauchte man umfangreiche Beobachtungen des Prozesses, z.B. durch den Hancho, noch Wertstromanalysen oder Zykluszeiterfassungen. Auch wären die 7W-Fragen, um das Problem präzise zu beschreiben und die 5W-Fragen, um auf seine wahre Ursache zu kommen unnötig.

Ja, wir brauchen nicht einmal mehr eine Hypothese, welche Gegenmaßnahme nun die geeignete sei, um diese im PDCA-Prozess zu überprüfen.

Stimmt also der Vorwurf, dass die Mitarbeiter nicht mit einbezogen sind? Nun ja, aber wenn alles so kommt, wie beschrieben, dann werden die Maschinen sich selber optimieren. Kaizen als Algorithmus.

Mit anderen Worten: hätte Kaoru Ishikawa diese Möglichkeiten von Big Data gekannt, hätte er dann jemals das gleichnamige Diagramm entwickelt

Der Behälter als Objekt im IoT:

Er weiß, was sich seit wann in ihm befindet, und wer den Inhalt benötigt. Perfekt. Er selber oder eine Gruppe von Behältern mit gleichem Inhalt könnte eigenständig Nachschub ordern, wenn eine bestimmte Menge unterschritten ist, bzw. sich selber auf den Weg zur Quelle machen. Alle Informationen sind da, um einen selbststeuernden Materialkreislauf aufzubauen - Kanban 4.0.

Ich frage Sie: hätte Taiichi Ohno die Möglichkeiten des Internets der Dinge gekannt, hätte er dann wirklich Behälter mit Papierschildern versehen?

Arbeit wird anspruchsvoller:

So jedenfalls die Aussage, schaut man sich aber an, in welchem Maße der Werker geführt wird und von technischen Systemen genau mitgeteilt bekommt, was zu tun ist wird die Arbeit doch eher anspruchsärmer. Man spricht es nicht aus, weil man befürchtet, dass dies nicht gerne gehört wird. Aber vielleicht ist ja genau das richtig? Angesichts des demographischen Wandels, der vermutlich auch Ihrem Unternehmen immer weniger Berufseinsteiger beschert und angesichts der nachlassenden Qualität in Schule, Ausbildung und Studium, die diese weniger werdenden Personen auch immer schlechter vorbereiten, könnte dies sogar dringend notwendig sein. Oder etwa nicht?

Kann es also sein, dass die Grundidee der verschwendungsfreien Produktion bleibt, sich aber die Werkzeuge wandeln? Big Data, statt Ishikawa-Diagramm und der intelligente Behälter, statt Kanban? Industrie 4.0 oder Lean Production: ist es völlig nicht zweitrangig, wie man es nennt? Geht es im Kern nicht um Operational Excellence? Erreicht mit den zur Verfügung stehenden Mitteln?

Und kann es sein, dass all dies von den Protagonisten von Industrie 4.0 nur noch nicht richtig erklärt worden ist? 

Aber vielleicht haben Sie ja hierzu eine Idee.

 

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